150 Jahre SPD Lübeck - Veranstaltungskalender

Samstag, 28.05.2016 | 11:00 Uhr
Matinee „150 Jahre SPD Lübeck“
Europäisches Hansemuseum
Ansprechpartner: Hans Müller

Sonntag, 19.06.2016 | 15:00 Uhr
Freundschaftsfest „Die ersten 150 Jahre“
Theodor-Schwartz-Haus, Lübeck-Brodten
Ansprechpartner: Lars Schalnat und Kathrin Hering

Mittwoch, 06.07.2016 | Uhrzeit folgt
Zur Geschichte der Arbeiterbewegung in Lübeck
Vortrag: Dr. Wolfgang Muth
Geschichtswerkstatt Herrenwyk
Ansprechpartner: Jörn Puhle

Sonntag, 10.07.2016 | 16:00 Uhr
„Revierfahrt“ auf der Trave
Abfahrt: Anleger Muk
Kostenbeitrag: 5,- Euro
Ansprechpartner: Hans Müller

Samstag, 03.09.2016 | 18:00 Uhr
„Die K kommt“
Europäisches Hansemuseum
Ansprechpartner: Peter Petereit
 

Weitere Aktionen
 
Veranstaltungsreihe der AsF
Ansprechpartnerin: Kathrin Hering

Ausstellung „Die ersten 150 Jahre“
Ansprechpartner: Steffen Hahn und Hans Müller

Politisches Erzählcafé
Ansprechpartner: André Marx

Ortsvereinsaktionen zu Straßennamen
Ansprechpartner: Pito Bernet
 
 
 
 

Volkstrauertag 15.11.2015

Die Rede von Sebastian Oelkers (Vorsitzender der AsJ Lübeck und Mitglied im Kreisvorstand der SPD Lübeck)

 

Liebe Genossinnen und Genossen,

liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich freue mich, dass Ihr heute hier so zahlreich erschienen seid, um im stillen Beisammensein, den Toten zweier Weltkriege und den Opfern des Nationalsozialismus zu gedenken.

 Zunächst möchte ich alle Anwesenden aber bitten, eine gemeinsame Schweigeminute für die Opfer der Terroranschläge am Freitag in Paris einzulegen….

Ich danke Euch für Eure Anteilnahme; unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind heute bei den Opfern, den Angehörigen und Freunden, die am letzten Freitag so viel Leid haben erfahren müssen.

Wir haben uns heute hier versammelt, um gemeinsam den dunkelsten Tagen unserer Geschichte und mit Ihnen Millionen von Toten zweier Weltkriege und der Diktatur der Nationalsozialisten zu gedenken.

 Auch 70 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkrieges hat der heutige Gedenktag nichts an Bedeutung eingebüßt. In der letzten Woche ist mit unserem Genossen Helmut Schmidt ein weiterer Zeitzeuge, vielleicht der prominenteste seiner Generation, von uns gegangen. Meine Generation wird eine sein, die den Tod des letzten Zeitzeugens erleben wird. Umso mehr muss es heute unsere Aufgabe sein, dass Geschehene nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dieses sind wir den unzähligen Opfern schuldig, die uns als Bürger Europas mit ihrem Leid einen Weg gezeigt haben. Die Opfer, deren wir heute Gedenken, haben mit ihrem Leid ein Mahnmal gesetzt, welches die Völker Europas nicht übersehen konnten. Die Europäische Union und vor ihr die EWG wurzeln in dem festen Entschluss der europäischen Staaten, dem millionenfachen Sterben zweier Weltkriege gemeinsam eine Zukunftsordnung der Freiheit und des friedlichen Zusammenlebens entgegenzusetzen. Für mich und meine Generation ist beides, friedliches Zusammenleben und ein freies Europa, zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Aber am Freitag mussten wir erneut erleben, dass diese Freiheit tatsächlich nicht selbstverständlich ist:

 Durch den feigen Angriff der Terroristen in Paris haben Gewalt, Hass und Leid erneut Einzug in die Mitte unserer freien Gesellschaft gehalten. Das Gedenken an die Toten der Weltkriege und der Diktatur der Nationalsozialisten mahnt uns, heute genauso aufzustehen und unsere Freiheit gegen diesen Angriff zu verteidigen.

Diese Herausforderung werden wir aber nicht mit Waffen bewältigen. Besiegen müssen wir die Angst, die die Terroristen mit ihren Taten verbreiten. Diese Angst bedroht unsere Freiheit mehr, als es eine Waffe je tun könnte. Denn unsere Freiheit bedeutet auch, frei von Angst vor Gefahren für Leib und Leben zu sein. Auf diesen Teil unserer Freiheit zielen die Terroristen mit ihren Taten. Sie wissen, dass dies der einzige Teil unserer Freiheit ist, den sie uns tatsächlich zu nehmen hoffen können. Aber es liegt an uns, ob wir ihnen den Weg bereiten, indem wir dieser Angst nachgeben. Wenn wir heute den Toten zweier Weltkriege und den Opfern der Nazidiktatur gedenken, dann gibt uns dies auch die Kraft, diese neue Herausforderung zu meistern. Europa hat viel Schrecklicheres überstanden. Unsere freiheitliche Gesellschaft ruht auf viel dickeren Wurzeln, als diese feigen Mörder jemals ohne unsere Hilfe durchtrennen könnten. Lasst uns das Gedenken des heutigen Tages daher auch nutzen, um aus ihm Stärke und Gewissheit für die Gegenwart zu gewinnen, dass wir auch dieses Leid, diese Trauer und diese Angst überwinden können.

 Gleichzeitig müssen wir aber auch erkennen, dass wir nicht die einzigen sind, die der Bedrohung durch Tod, Leid und Angst, ausgesetzt sind. Das Gedenken an die Toten der Weltkriege und der Opfer der Nazidiktatur führt uns eindringlicher denn je auch den Wert jedes einzelnen menschlichen Lebens vor Augen.

 Der evangelische Bischof Christoph Demke hat einmal gesagt:

 „Der Tod schlägt Schluchten des Schweigens, wo  sonst eine Antwort war und nun kein Echo mehr  ist; er schafft schmerzliche Leere an Tisch und  Bett, wo keine fürsorgliche, wärmende Hand mehr  entgegenkommt.“

 Jeder Tote hinterlässt eine Lücke zwischen den Lebenden, die keine Macht der Welt zu schließen vermag. Im Talmud heißt es nicht nur zuletzt deswegen:

 „Wer ein Menschenleben rettet, der rettet die ganze Welt“

 Der heutige Tag und das Gedenken an die Toten ist daher auch eine Mahnung, nicht bei uns stehen zu bleiben. Der Tod kennt keine Nationalität, der kennt keine Hautfarbe, keine Rasse, keine Religion. In ihm sind wir alle gleich und er hinterlässt die gleiche Lücke in den Herzen der Menschen, wo immer er einen Menschen aus unserer Mitte reißt.

Daher ist der heutige Tag auch eine Mahnung, dass wir wann immer und wo immer wir helfen können, Blutvergießen zu beenden und Not zu lindern, Menschen vor Gewalt und Terror zu schützen, dies auch tun müssen. Wir dürfen nicht wegschauen, als ginge uns das Leid und das Sterben der anderen nichts an. Das ist zuallererst ein Gebot der Menschlichkeit. Es ist aber auch ein Gebot vorausschauender Vernunft. Der Glaube an die Begrenzbarkeit von Konflikten und an Inseln unverbrüchlichen Friedens ist eine gefährliche Illusion, der wir uns viel zu lange hingegeben haben[1].

 Wir erleben heute, dass zehntausende Menschen zu uns flüchten, häufig mit nicht mehr als ihrem wertvollsten Gut, ihrem Leben. Diese Menschen fliehen in großer Zahl vor den gleichen Terroristen, die unsere Freiheit am Freitag angegriffen haben. Ihre schiere Anzahl lässt manchen von uns vor der Herausforderung verzagen; Diskussionen über Grenzschließungen und Obergrenzen belegen diese Verängstigung und Unsicherheit. Wenn uns aber das Gedenken des heutigen Tages den Wert jedes einzelnen menschlichen Lebens vor Augen führt, dürfen wir auch hier unserer Angst und Unsicherheit nicht nachgeben. Das Gedenken an die Toten und die Opfer der Nationalsozialisten mahnt uns auch heute mehr denn je, nie wieder ein menschliches Leben ohne den Versuch einer Rettung verloren zu geben. Lasst uns diese Mahnung annehmen und unser Handeln danach ausrichten. Lasst uns das Gedenken des heutigen Tages auch nutzen, um aus ihm Stärke und Gewissheit für die Gegenwart zu gewinnen, dass die heutigen Herausforderungen im Vergleich zu denjenigen unserer Geschichte nicht schwerer zu lösen sind. Denn Teil unserer Geschichte ist auch die Aufnahme von Millionen entwurzelter Menschen nach dem zweiten Weltkrieg. Wir als Gesellschaft haben damals gezeigt, dass uns die Bewältigung dieser Aufgabe nur stärker gemacht hat. Ich glaube fest daran, dass uns auch die Aufnahme der Menschen, die heute wieder eine Zuflucht vor Tod und Leid bei uns suchen, gelingen kann und gelingen wird. Die Ankunft dieser Menschen ist nicht nur eine Herausforderung, sondern kann, wenn wir diese Herausforderung annehmen und bewältigen, auch ein Geschenk sein. Es liegt an uns, ob wir die Lehren der Geschichte annehmen und uns dieses Geschenk machen.

 

Liebe Genossinen und Genossen,

liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 der heutige Volkstrauertag ist ein Tag der Besinnung und der Erinnerung: Der Erinnerung an Krieg und Gewalt und des Gedenkens an die Toten. Wir verneigen uns heute in Trauer vor ihnen und bleiben ihnen in der dauerhaften Verpflichtung für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit verbunden[2]. Ich danke Euch allen für Eure Aufmerksamkeit.

 

                                              

 

[1] Letzter Absatz nach Dr. Norbert Lammert – Rede des Bundestagspräsidenten zum Volkstrauertag 2007

[2] Letzter Absatz nach Dr. Norbert Lammert – Rede des Bundestagspräsidenten zum Volkstrauertag 2007

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